Uns wurde heuer eine ganz besondere Ehre zuteil: die Berufsschule II Bamberg wurde aus einer Vielzahl an interessierten Schulen aus ganz Deutschland von der bundesweiten Stiftungsinitiative für die „Werkstatt schulentwicklung.digital“ ausgewählt. Hinter dem übergeordneten „Forum Bildung Digitalisierung“ stehen fünf große deutsche Stiftungen: die Deutsche Telekom Stiftung, die Bertelsmann Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, die Siemens Stiftung und die Stiftung Mercator. Von unserer Seite wurde ein Trio durch Herrn Dr. Kegelmann, Herrn Pietsch und Herrn Müller gebildet, die in diesem Projekt unsere Schule aktiv vertreten.

Ziel dieser bundesweiten Initiative aus 38 Schulen ist es ein Bildungsnetzwerk zu knüpfen, in dessen digitaler Werkstatt durch Treffen und gemeinsamen Austausch ein zukünftiges Konzept der digitalen Bildung entwickelt werden soll, das auf den bisherigen best-of-practice-Erfahrungen der teilnehmenden Schulen aufbaut. Neben dem Schwerpunkt der digitalen Bildung geht es dem Forum aber auch um die Themen „Bildungsgerechtigkeit, Gemeinnützigkeit und Transparenz im Handeln“. Alle Aktivitäten sind wiederum auf drei Handlungsfelder einer lernorientierten digitalen Schulkultur bezogen:

  1. Lernen personalisieren
  2. Kompetenzen entwickeln
  3. Veränderungen gestalten

 

Bislang gab es bereits zwei mehrtägige Werkstatt-Treffen im März in Kassel-Fuldatal sowie im Juni in Leipzig. Das nächste Treffen findet dann im September in Hamburg statt. Danach werden die Ergebnisse der verschiedenen Arbeitsgruppen in einem Abschlussbericht zusammengefasst, um dann schließlich bei der offiziellen Abschlusstagung in Berlin im November 2017 an die fünf Stiftungen übergeben zu werden, die dieses Konzept letztlich an die zuständigen Stellen im Bundesbildungsministerium weitergeben. Damit aber noch nicht genug: die fünf Stiftungen haben sich mittlerweile zu einem Verein zusammengeschlossen, um an dem digitalen Bildungsanliegen auch in Zukunft nachhaltig weiterarbeiten zu können.

Als eine von nur 38 Schulen wollen wir in diesem Forum unsere Erfahrungen im Einsatz digitaler Medien für das Lehren und Lernen einbringen. Vom Austausch mit anderen Vorreitern werden wir nicht nur für die eigene Arbeit profitieren, sondern auch dazu beitragen, dass unser Wissen und unsere Erfahrungen möglichst vielen anderen Schulen zugute kommen kann.

Das erste Treffen in Kassel-Fuldatal diente zunächst der Findungsphase und dem gegenseitigen Kennenlernen. Daraus entwickelten sich acht verschiedene Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Teilgebieten der digitalen Bildung (mehr dazu inkl. Tonaufnahmen unter http://www.forumbd.de/werkstatt/wie-koennen-wir-schule-ins-21-jahrhundert-bringen):

  • Partizipation
  • Ausstattung und Technik (Herr Pietsch)
  • Lehr- und Lernmaterialien
  • Aus- und Fortbildungen
  • Rechtlicher Rahmen
  • Lernen (Herr Kegelmann)
  • Steuerung und Teamstrukturen
  • Austausch in Netzwerken

Außerdem wurde noch eine kurze Einführung in die Austauschplattform „MatterMost“ gegeben, die als Backend für die ständige Kommunikation der verschiedenen Arbeitsgruppen dient. Zwischen den Treffen wurden immer wieder bundesweite Online-Videokonferenzen über Adobe Connect einberufen, um die Hausaufgaben der einzelnen Teams zu betreuen.

Die Forumsarbeit hat bereits erste Früchte getragen. Es wurde spontan eine Kooperation mit der Oskar-von-Miller-Berufsschule (OVM) in Kassel vereinbart, die sich schon vor 15 Jahren auf den Weg zum selbst gesteuerten Lernen von Schülern aufgemacht hat. Ihr Konzept der Lernschrittmethode wurde mittlerweile vom Hessischen Kultusministerium als didaktisches Mustermodell für alle hessischen Berufsschulen empfohlen. Im Rahmen eines ersten Kontaktbesuches konnten wir uns ein eindrucksvolles Bild von diesem Unterrichtskonzept machen. Unsere Delegation bestand aus unserer Schulleiterin Frau Bankmann und Vertretern der Fachgruppe Drucktechnik/Mediengestaltung (Herr Ecker, Herr Kegelmann, Herr Müller). Auch in den Gesprächen mit Schülern wurde deutlich, dass dieser kompetenzorientierte Ansatz ein nachhaltiges Modell für die Vorbereitung auf das Berufsleben darstellt. Dieses Konzept wollen wir daher im kommenden Schuljahr mit ersten Unterrichtsansätzen bei den Mediengestaltern versuchsweise starten.

 

Zweites Werkstatt-Treffen Ende Juni 2017 in Leipzig:
Wir konnten die beiden Tage nutzen, um einen intensiven Austausch unter den drei Beruflichen Schulen des Projekts zu finden. Dabei ging es nicht nur um die gegenseitige Darstellung der verschiedenen Formen der digitalen Medienbildung, sondern auch um die Frage, wie man Anreizsysteme und Steuerungsprozesse schaffen kann, damit der digitale Wandel in den Schulen gelingen kann. So haben wir nun eine weitere Kooperationsschule, die Walter-Eucken-Schule in Karlsruhe. In ihrem Teilprojekt „WES 4.0“ haben die Kollegen mit ihren Schülerinnen und Schülern schon viele spannende digitale Unterrichtsprojekte realisieren können, von denen auch wir profitieren können. In Karlsruhe wurden auch reine iPad-Klassen eingerichtet. Die Schule hat dafür 186 iPads angeschafft.

Mehr dazu unter: http://wes4punkt0.schule

Sehr spannend war auch während beiden Werkstatt-Tagen zu erfahren, dass wir ohne jegliche Papierarbeiten auskamen. Alle kooperativen und kollaborativen Arbeitsphasen konnten über digitale Werkzeuge wie MatterMost, Padlets, Zum/Wiki oder die Google+Tools auf den mitgebrachten Tablets oder Notebooks wunderbar bewerkstelligt werden.

Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten wurden dann in einem BarCamp vorgestellt, das es in seiner Offenheit ermöglichte, sehr viele verschiedene Themen aufzugreifen, u.a. der Lehrplankompass NRW (www.lehrplankompass.nrw.de) mit dem Medienpass NRW (https://www.medienpass.nrw.de) oder das Projekt „CooL“ und „eCool“ („Cooperatives Offenes Lernen“) aus Österreich. Mehr dazu unter: http://www.cooltrainers.at.

Sehr interessant war auch das Erstellen einer Schulentwicklungslandkarte der digitalen Bildung mit den beiden Achsen „analog – digital“ und „geschlossen – offen“. Daraus ergab sich eine Matrix von 25 Feldern, die es jeder Schule ermöglicht, ihren Standort darin zu entdecken und zu überlegen, in welche schulentwicklungsbezogenen Zukunftsfelder sie sich künftig hinbewegen möchte.

Bis zur Herbsttagung im September in Hamburg wurden dann noch weitere „Hausaufgaben“ an die 38 Schulen vergeben, um in den acht Arbeitsgruppen zu weiteren Ergebnissen zu gelangen. Wir sind schon sehr gespannt, wie sich die neuen Erfahrungen an unserer Schule auf unsere Weise adaptieren lassen.

Weitere Informationen zu dem Werkstattprozess und der Initiative unter www.forumbd.de sowie unter http://www.forumbd.de/werkstatt/

Dr. Udo Kegelmann, Tobias Pietsch