Dr. Kegelmann auf Einladung der Robert-BoschStiftung zu Gast auf der iDEE in Hangzhou

Vom 22. bis 22. Oktober 2018 fand zum ersten Mal in der Geschichte der chinesischen Provinz Zhejiang die BildungsEXPO „iDEE“ (international Digital Education Event http://idee-china.com) in Hangzhou statt. Die 8-Millionen-Metropole gilt auch als das „Silicon Valley Chinas“ und liegt westlich von Shanghai. Sie ist eine der reichsten und auch schönsten Städte des Landes, legendär ist der sog. West Lake, ein wunderschöner See, der von einer 60-Meter hohen und mehr als 1000 Jahre alten Pagode überragt wird, über deren Treppenstufen schon Marco Polo gewandelt ist.

Anlass dieser Konferenz und Messe im EXPOCenter Hangzhous ist das zunehmende Interesse Chinas Kontakt zu westlichen Bildungsvorbildern zu finden. So war FInnland das diesjährige Partnerland der Veranstaltung. Auf Einladung der Robert-Bosch-Stiftung hielt Dr. Kegelmann einen Vortrag über das Berufsschulwesen in Deutschland und dessen aktuellen Stand der Digitalisierung. Er stellte dabei nicht nur die Vorzüge des Dualen Systems vor, sondern zeigte auch die aktuellen Bestrebungen der bayerischen Landesregierung auf, die Digitalisierung an allen bayerischen Schulen voranzutreiben. Dabei geht es nicht nur in erster Linie um die Erweiterung der technischen Ausstattung aller bayerischer Schulen, sondern auch um die Entwicklung eines Medienkonzeptes inkl. einem Fortbildungsplans für Lehrkräfte aller Schularten. So wies Dr. Kegelmann auch auf die Anstrengungen in der Medienbildung der letzten Jahre an unserer Schule hin, die uns mittlerweile zu einem interessanten und fachkundigen Netzwerkpartner für verschiedenste digitale Bildungsprojekte in Deutschland gemacht haben (Forum Bildung Digitalisierung, Deutsche Telekom Stiftung). Das Fachpublikum aus aller Welt, nicht zuletzt auch eine finnische Delegation, war sichtlich angetan von den derzeitigen Möglichkeiten des bayerischen Lernmanagementsystems „mebis“. Aber auch das Forschungsprojekt „Lernraum digital“ mit der Universität Dresden, das zu einem neuen Klassraumkonzept führen wird, stieß auf großen Interesse bei den Zuhörern.

Neben Vorträgen und Workshops gab es auf sogenannten One-to-one-Meetings reichlich Gelegenheit, um Treffen mit Unternehmen und Experten aus dem Medienbildungsbereich zu vereinbaren. Dr. Kegelmann nutzte diese Gelegenheiten, um weitere Kontakte zu möglichen künftigen Projektpartnern zu nutzen. So besteht ein großes Interesse einer italienischen Berufsschule im Herzen Siziliens an einem gemeinsamen Erasmus+Projekt im Bereich der Gastronomie. Deren Schulleiter Paolo Aprile lud Dr. Kegelmann zu einem Besuch nach Saltano ein und unterstrich diese Einladung mit dem Geschenk eines wunderschönen Kochbuchs mit Rezepten und Sprüchen regionaler Chefköche.

In dieser Business Area kam es auch zu einem ganz besonderen Treffen, das die Veranstalter der iDEE für Dr. Kegelmann arrangiert hatten: ein Meeting mit einem der bekanntesten chinesischen Fotografen – Zhang Wang, der schon weltweit Ausstellungen durchführen durfte, u.a. in der UNO in NewYork. Der Künstler überraschte Dr. Kegelmann mit einem besonderen Geschenk: eine handsignierte Ausgabe des Fotobandes „Buddha‘s Footprints in China“ sowie dreier ebenso signierten Postkartensets seiner schönsten Fotografien. Dieses Zusammentreffen war eines der Highlights dieser Studienreise und als gelernter Religionslehrer ließ es sich Dr. Kegelmann nicht nehmen, sich mit Herrn Wang ausgiebig über Religion, Spiritualismus und den Zen-Buddhismus zu unterhalten. Herr Wang äußerte zum Ende des Gesprächs den ganz besonderen Wunsch, dass es bald einmal zu einem Austausch zwischen seinen Fotografiestudenten und unseren Mediengestalterschülern kommen sollte. Seine Managerin hat dieses Interesse mittlerweile in mehreren Emails nochmals unterstrichen. Mal sehen, was sich daraus noch ergeben kann…

Zudem wurde unserer Berufsschule II eine besondere Ehre zuteil, da wir Teil des deutschen Pavillons auf dieser BildungsEXPO waren und sogar einen eigenen Stand mit drei zusätzlichen Mitarbeiter*innen erhielten, allesamt chinesische Studenten, die fließend Deutsch oder Englisch sprechen konnten. So kam es zu reichlich vielen Begegnungen und Nachfragen nach dem Vortrag sowie zahlreichen Gesprächen mit den fachkundigen Besuchern.

Die gut besuchte Messe und Bildungskonferenz fand auf dem EXPO-Gelände statt, in dem 2016 der G20-Gipfel veranstaltet wurde. Das Gebäude überrascht noch immer durch seine spektakuläre Architektur und seinen umwerfenden „Sky Garden“, einem mehr als 20 Fußballfelder großen Dachgarten mit eigenwilliger Landschaftsarchitektur.

Neben all diesen fachlichen Aspekten boten die Veranstalter für ihre internationalen Gäste ein sehr spannendes kulturelles Rahmenprogramm an. So gab es gleich am ersten Tag ausreichend Gelegenheit zum Sightseeing an den schönsten Plätzen der Stadt, u.a. am West Lake, am Pavillon des Stadtgottes, in den Tempeln der 5 Könige sowie an den Ufern des großen Hianlang-Flusses. Es war leicht nachzuvollziehen, warum Hangzhou in China zu den reichsten und schönsten Städten zählt. Der Bauboom ist nach wie vor ungebrochen und entgegen den Erwartungen der Delegation überzeugte die Stadt durch ihre internationale und offene Ausrichtung.

Und noch eine große Ehre wurde Dr. Kegelmann und dessen Organisator Dr. Wiedmann von der Robert-Bosch-Stiftung zuteil. Sie wurden am Auftaktabend der Konferenz auf das Dinner-Bankett des Oberbürgermeisters eingeladen. Am Rande dieses Abendessens gab es zahlreiche kleinere Gespräche mit Vertretern namhafter Unternehmen aus der asiatischen Industrie und Politikern des Bildungsministeriums der Provinz Zhejiang. Allseits besteht ein großes Interesse an langfristigen Kooperationen zwischen China und Deutschland, insbesondere was die Weiterentwicklung des Berufsschulwesens im Reich der Mitte angeht, nicht nur in Fragen der Digitalisierung.

Schließlich gab es noch zwei ganz besondere Programmpunkte. Zum einen der Besuch der finnisch-deutschen Delegation bei der Hailiang Education Group, einem über 40 Hektar großem Bildungscampus außerhalb Hangzhous. Das Unternehmen ist börsendatiert und zählt zu den drei Top-Adressen und größten Anbietern von Privatschulen in China. Auf diesem Campus leben, lernen und lehren knapp 60.000 Schüler*innen und Lehrer*innen, vom Kindergarten bis zur Senior Highschool. Die Delegation konnte dabei einen eindrucksvollen Einblick in die Bildung des Nachwuchses der chinesischen Elite gewinnen. Auch wenn es für uns Ausländer befremdlich wirken mag, wenn sich bspw. deren Eltern via Smartphone-App jederzeit in die Überwachungskameras der Kindergartengruppen einschalten können, um zu sehen, wie es ihrem Nachwuchs geht. Nach wie vor gilt in China noch das Ein-Kind-Gesetz, wovon wir uns auf allen Familienbilder überzeugen konnten. 

Die Bildungsangebote sind auf höchstem Niveau angesiedelt, so wird bspw. seit neuestem in den naturwissenschaftlichen Fächern mit der NASA zusammengearbeitet oder das Basketballprogramm von ehemaligen NBA-Spielern geleitet. Und und und…

Am Ende des Rundgangs wurde dann zwischen der finnischen Delegation, bestehend aus der zweiten Bürgermeisterin von Helsinki, dem Programmdirektor des Bildungsministeriums sowie der Präsidentin der Universität von Tampere mit dem Präsidenten der Hailiang Education Group eine offizielle Kooperation vereinbart, die auch den Austausch von Lehrkräften beinhalten wird.

Am vorletzten Tag der Studienreise wurde die Delegation auf das Gelände des Internet-Giganten AliBaba geführt. So darf man sich wohl auch die modernen Arbeitsplätze bei Apple, Google oder Amazon vorstellen. Das börsennotierte Unternehmen ist quasi eine Zusammenfassung von Google, Facebook, YouTube, WhatsApp, Amazon und PayPal in einem und wird diese Marktführerschaft im asiatischen Raum noch weltweit weiter ausbauen im eCommerce-Geschäft, in Fragen des Internets der Dinge, im Entertainmentbereich sowie in der Gesundheitsvorsorge. Wir konnten hier quasi schon in die Zukunft des 21. Jahrhunderts blicken. Im hauseigenen Shoppingcenter zahlt man bereits heute schon mit Gesichtserkennung, nach dem Motto „buy by face“.

Nach einer beeindruckenden Woche galt es am Ende der Reise schließlich Fazit zu ziehen. Die geknüpften Netzwerke zwischen den Mitarbeitern der Deutschen Außenhandelskammer, den regionalen Medienunternehmen, Künstlern und Regierungsvertretern sowie zwischen den Delegationen aus Finnland und Italien werden wir die kommenden Wochen und Monate nutzen, um uns zu überlegen, für welche Fachbereiche wir nun welche Kooperationen eingehen werden. So war es beispielsweise sehr spannend zu erfahren, welches Interesse der italienische Berufsschulleiter an unserer deutschen Ausbildung zur Hauswirtschafterin gezeigt hat. Dabei wollen wir auch die Platzform iMove nutzen, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn betrieben wird.

Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals ganz besonders für das Vertrauen und das Interesse der Robert-Bosch-Stiftung – namentlich Herrn Dr. Wiedmann – bedanken, die Dr. Kegelmann die Teilnahme an dieser außergewöhnlichen Dienstreise ermöglicht hat.