
Verfasst von Udo Kegelmann am
Omas gegen Rechts
Demokratie lebt vom Mitmachen – Ein Workshop mit den „Omas gegen Rechts“
Eine lebendige Demokratie entsteht nicht von selbst. Sie braucht Menschen, die sich einbringen, zuhören, widersprechen und Verantwortung übernehmen. Genau diese Erfahrung stand im Mittelpunkt eines Workshops mit der Initiative „Omas gegen Rechts“, der sich an Auszubildende der 10. Klasse im Bereich Mediengestaltung und Druck richtete.
Grundlage des Workshops bildete ein Plakat mit einer klaren Botschaft: Eine lebendige Demokratie lebt von deinem und unserem Engagement. Rund um diesen Satz versammelten sich zahlreiche konkrete Handlungen – vom Wählengehen über ehrenamtliches Engagement bis hin zum Melden von Hasskommentaren oder dem aktiven Eintreten gegen diskriminierende Aussagen. Demokratie wurde hier nicht abstrakt verhandelt, sondern als alltägliche Praxis sichtbar gemacht.
Der Workshop begann bewusst nicht mit Theorie, sondern mit einem Kooperationsspiel. Die Aufgabe ließ sich nur gemeinsam lösen. Kommunikation, Vertrauen und Abstimmung waren entscheidend. Schnell wurde deutlich: Ohne Zusammenarbeit kommt man nicht ans Ziel. Diese Erfahrung diente als Einstieg in das Thema Demokratie. Sie machte erfahrbar, dass demokratisches Handeln immer ein Miteinander ist – und dass Ausgrenzung, Missverständnisse oder fehlendes Zuhören den gemeinsamen Prozess gefährden.
Im Anschluss arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in vier Gruppen an unterschiedlichen Stationen. Die Themen lauteten Rassismus, Sexismus, Populismus und Rechtsextremismus. Ziel war es nicht, Begriffe abzufragen, sondern Strukturen und Wirkmechanismen zu verstehen. Wie entstehen Vorurteile? Wie werden Menschen aufgrund von Herkunft oder Geschlecht abgewertet? Warum wirken einfache Antworten auf komplexe Probleme so verführerisch? Und weshalb stellt Rechtsextremismus eine direkte Bedrohung für die demokratische Ordnung dar?
Besonders deutlich wurde, wie eng diese Phänomene miteinander verbunden sind. Rassismus und Sexismus zeigen sich oft im Alltag – in Sprache, Bildern oder scheinbar harmlosen Witzen. Populismus greift solche Denkmuster auf, vereinfacht sie und verstärkt sie gezielt, um Stimmungen zu erzeugen. Rechtsextremismus schließlich nutzt diese Mechanismen, um demokratische Werte offen infrage zu stellen und Menschen auszugrenzen. Viele der Jugendlichen erkannten Parallelen zu Erfahrungen aus sozialen Medien oder dem eigenen Umfeld.
Am Ende des Workshops kamen alle Gruppen im Schlussplenum zusammen. Hier wurden Erkenntnisse, Fragen und persönliche Eindrücke ausgetauscht. Das eingangs betrachtete Plakat bekam in diesem Moment eine neue Bedeutung. Die Aussagen darauf waren keine abstrakten Appelle mehr, sondern konkrete Handlungsoptionen: Haltung zeigen, widersprechen, informieren, sich engagieren.
Der Workshop machte deutlich: Demokratie ist verletzlich. Sie wird bedroht durch Ausgrenzung, Hass und extremistische Ideologien. Gleichzeitig zeigte er aber auch ihre Stärke. Wenn Menschen miteinander sprechen, unterschiedliche Perspektiven zulassen und gemeinsam Verantwortung übernehmen, entsteht demokratische Resilienz. Die Begegnung zwischen den Jugendlichen und den „Omas gegen Rechts“ stand dabei sinnbildlich für gelebtes Engagement über Generationen hinweg.
Am Ende blieb eine zentrale Erkenntnis: Demokratie beginnt nicht erst bei Wahlen. Sie beginnt im Alltag – im Gespräch, im Mitdenken und im Mut, für die Würde aller Menschen einzustehen.
Dr. Udo Kegelmann
Mit Kooperation ans Ziel kommen

Was gehört zu einer lebendigen Demokratie?

Intensive Diskussionen
