Verfasst von Udo Kegelmann am

Nachhaltigkeit und Zukünftebildung in Wien

Futures Literacy und Einsichten in nachhaltige Unterrichtsprojekte an österreichischen Berufsschulen

Wien ist nicht nur eine der top Hauptstädte mit der höchsten Lebensqualität, sondern birgt für unsere Schule auch eine Vielzahl an lehrreichen Musterbeispielen, wie man Nachhaltigkeit und Zukünftebildung an die Berufsschulen bringen kann. Davon konnte sich eine Gruppe an Lehrer:innen in Begleitung von Frau Katharina Barth vom Bildungsbüro des Landkreises Bamberg überzeugen. Die drei Projekttage waren mit folgendem Programm gefüllt:

Tag 1 – Montag
Am ersten Fortbildungstag besuchten wir vormittags die Berufsschule für Baugewerbe in Wien. In einem konstruktiven Gespräch mit dem stellvertretenden Schulleiter, Herrn Prigl, erhielten wir einen prägnanten Einblick in die Schulorganisation und einen Überblick über das österreichische Schulsystem. Besonders hervorzuheben ist die digitale Lernplattform „E-Bau“, die das Fachbuch integriert, selbstständiges Lernen und Üben ermöglicht und Lehrkräften vielfältige Eisatz- und Kontrollmöglichkeitenbietet. Die fortlaufende Lernstandserfassung sowie zahlreiche Erklärvideos und Skizzen unterstützen individualisierte Lernwege und eine fundierte Auswertung des Lernfortschrittes.  
Am Nachmittag folgte eine dreistündige Stadtführung per Fahrrad. Die Tour verband markante Stadträume mit historischen Erläuterungen und eröffnete einen anschaulichen Kontext zur kulturellen Entwicklung Wiens. 

Tag 2: Dienstag

Da wir am 2. Tag mehrere Termine gleichzeitig hatten, mussten wir unsere Gruppe in zwei Teams aufteilen:


Team 1 (Frau Malone, Herr Maex, Herr Wirobal): Besuch der Landesberufsschule Laa an der Thaya
Am Dienstag stand der Besuch der Landesberufsschule in Laa an der Thaya auf dem Programm. Die Schulleiterin, Frau Schleicher, empfing uns ganz herzlich um 9:30 Uhr am Bahnhof und gab im Rahmen einer kurzen Stadtrundfahrt zunächst einen Einblick in die Umgebung und den Standort der Schule.
In der Schule angekommen, wurden wir bei Kaffee und traditionellem Mohnkuchen willkommen geheißen. In angenehmer Atmosphäre erhielten wir einen Einblick in die vielfältigen und innovativen Projekte der Schule. Die Landesberufsschule ist auf die Ausbildung von Einzelhandelskaufleuten spezialisiert und arbeitet dabei eng mit der Supermarktkette SPAR zusammen.
Der regelmäßige und enge Austausch zwischen Schule und Ausbildungsbetrieb ermöglicht eine optimale Abstimmung der jeweiligen Anforderungen und Bedürfnisse. Daraus entsteht ein großer Mehrwert für alle Beteiligten – insbesondere für die Auszubildenden, die von praxisnahen Inhalten und zusätzlichen Ressourcen profitieren. SPAR engagiert sich aktiv in der Ausbildung und initiiert Projekte wie die „Fairtrade-Botschafter-Ausbildung“ oder das Programm „Green Champion“.
Auch im Bereich Nachhaltigkeit ist die Schule stark engagiert. Neben der Zertifizierung durch das Umweltmanagementsystem EMAS beteiligt sich die Schule an weiteren Initiativen wie „ÖKOLOG“ und der „H2NOE Wasserschule“, die das Umweltbewusstsein der Schülerinnen und Schüler fördern.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der schuleigenen Mensa bestand die Möglichkeit, sowohl das angeschlossene Wohnheim als auch die Schulräume zu besichtigen. Dabei konnten weitere Eindrücke vom schulischen Alltag und der Infrastruktur gewonnen werden.
Insgesamt war der Besuch an der Landesberufsschule Laa an der Thaya äußerst informativ und bot zahlreiche wertvolle Impulse für die eigene pädagogische Praxis.

Team 2 (Frau Barth, Herr Dr. Kegelmann)

Sie besuchten zunächst am Vormittag die SonderausstellungMore than Recycling“ im Technischen Museum Wien, die zeigte, wie Kreislaufwirtschaft über klassisches Recycling hinaus gedacht werden konnte. Im Zentrum stand die Frage, wie wir künftig mit Ressourcen umgehen und welche Alternativen zur Wegwerfmentalität bestehen.

Die Ausstellung war thematisch gegliedert und führte durch Lebensbereiche wie Ernährung, Kleidung, Wohnen und Konsum. Dabei wurde deutlich: Nachhaltigkeit begann bereits beim Design und der Nutzung von Produkten. Ziel war es, Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten und Abfall zu vermeiden.

Didaktisch überzeugte die Ausstellung durch interaktive Stationen. Besucher trafen Entscheidungen entlang eines „Utopienpfads“ und entwickelten eigene Vorstellungen nachhaltigen Handelns. Dies förderte aktives Lernen und regte zur Reflexion des eigenen Konsumverhaltens an.

Inhaltlich wurden innovative Lösungsansätze präsentiert, etwa neue Materialien, Sharing-Konzepte und langlebige Produktideen. Diese Beispiele zeigten, wie technologische und gesellschaftliche Innovation zusammenwirken konnten.

Bemerkenswert war zudem die konsequente Umsetzung der Inhalte: Die Ausstellung selbst wurde nach Prinzipien der Kreislaufwirtschaft gestaltet. Materialien wurden wiederverwendet und modular eingesetzt.

Für Lehrende bot die Ausstellung zahlreiche Anknüpfungspunkte, um Nachhaltigkeit, Konsumkritik und Innovation praxisnah zu vermitteln.

Die SPAR Akademie Wien: Ein innovatives Bildungsmodell

Die im Jahr 2000 gegründete SPAR Akademie Wien ist die landesweit einzige unternehmenseigene Berufsschule mit Öffentlichkeitsrecht. In Wien-Hietzing werden jährlich rund 350 Lehrlinge von rund 16 Lehrenden ausgebildet. Das pädagogische Modell zeichnete sich durch die enge Verknüpfung von theoretischem Unterricht und unmittelbarer Praxis aus, die durch einen im Haus integrierten SPAR-Markt ermöglicht wird. 

Eine Besonderheit der Ausbildung ist die Vermittlung von ökologischer und sozialer Verantwortung. In Zusammenarbeit mit dem WWF können die Jugendlichen die Zusatzausbildung zum „Green Champion“ absolvieren und sich somit im Bereich Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit im Einzelhandel weiterbilden. Darüberhinaus bietet die SPAR Akademie als zertifizierte Fairtrade-Schule den Lehrlingen die Möglichkeit zur Zusatzausbildung im Bereich des fairen Handels, um Kundinnen und Kunden gezielt über das Fairtrade-Prinzip informieren zu können.

Die Akademie schafft somit einen Bildungsraum, der über die reine Warenkunde hinausgeht und die Persönlichkeitsentwicklung sowie das Bewusstsein für globale Zusammenhänge in den Mittelpunkt stellt.

Tag 3: Mittwoch
Am Mittwoch besuchten wir die Pädagogische Hochschule (PH) Niederösterreich.
Nach der Begrüßung erhielten wir von Frau Prof. Zenz eine Einführung in das Studienmodell für Berufsschullehrkräfte in Niederösterreich. Im Gegensatz zum Lehramtsstudium in Bayern handelt es sich in Österreich um ein berufsbegleitendes Studium, das zum Erwerb eines Bachelors mit der Option auf ein anschließendes Master-Erweiterungsstudium führt.
Im Anschluss thematisierte Frau Lughammer die Vermittlung von Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung. Nachhaltigkeit wird dort als Zusammenspiel der drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales verstanden. Auf dieser Grundlage entwickeln Studierende projektorientierte Unterrichtseinheiten, beispielsweise zur Weiterentwicklung eines Schulgartens einer benachbarten Grundschule, unter Einbezug der 17 UN‑Nachhaltigkeitsziele. Praxisnah konnten wir den eindrucksvoll gestalteten Schulgarten besichtigen und Einblicke in die Umsetzung gewinnen.
Der dritte Vortrag der Professorinnen Carmen Sippl und Karin Tengler stellte den Schwerpunkt „Futures Literacy“ des UNESCO‑Lehrstuhls an der PH in den Mittelpunkt. Die Auseinandersetzung mit Zukunftsthemen ist ein Bestandteil der Ausbildung der Studenten. Am studentischen Projekt „Stadt der Zukunft“ wurde gezeigt, wie Schülerinnen und Schüler für Zukunftsthemen begeistert werden können. Die informative Ausstellung bot uns die Gelegenheit zur praktischen Erprobung von Futures Literacy. Das anschließende Feedbackgespräch bildete den Abschluss dieses sehr informativen und gewinnbringenden Tages.

Dr. Kegelmann, Katharina Barth, Christian Maex, Alexandra Malone, Marc Wirobal